Gibraltar – das kleine britische Überseegebiet, Namensgeber der bekannten Straße, hat mich schon immer interessiert. Als sich heuer die Gelegenheit bot hab ich sie genutzt und dort 4 Stunden verbracht. Kann man in dieser kurzen Zeit alles sehen? Nein. So habe ich versucht, das beste aus 4 Stunden zu machen.
Zu Fuß oder mit dem Taxi?
Im Bus nach Gibraltar und auch direkt nach dem Grenzübergang (der für EU-Bürger zum Glück einfach mit Personalausweis passiert werden kann) wird versucht, die Touristen in Taxis zu bekommen, mit denen man dann die ganze Halbinsel, vom tiefsten zum höchsten Punkt, ohne jegliche körperliche Anstrengung in kurzer Zeit sehen kann. Das ist durchaus attraktiv, denn der massive Kalksteinmonolith der Gibraltar dominiert (“The Rock”) ist 426 Meter hoch. Aber sobald jemand sagt “this is the only way to see Gibraltar” ist für mich schon klar: nein, das mach ich nicht. Ich entdecke lieber auf eingene Faust und im eigenen Tempo – und wenn es mir gefällt komm ich wieder und werde mir mehr Zeit nehmen, um auch den Rest zu sehen.
Europa Point
Das erste Ziel das ich mir vornehme ist der Europa Point. Es ist der südlichste Zipfel von Gibraltar, aber nicht der südlichste Punkt der iberischen Halbinsel, denn der befindet sich bei Tarifa. Kurz vorm Eintreffen erblickt man die King Fahd Bin Abdulaziz al-Saud Moschee, die erst seit 1997 am südlichen Ende Gibraltars steht und den über 1000 muslimischen BürgerInnen als Gebetshaus zur Verfügung steht.

Der Europa Point ist ein richtiger Touristenmagnet, der nicht nur mit seinem Leuchtturm, seinen Geocaches und seinem Blick zurück auf The Rock und die steile Küste besticht, sondern auch mit seiner fantastischen Aussicht auf den afrikanischen Kontinent jenseits der Straße von Gibraltar. So die Theorie.
Heute ist es bewölkt und die Küste im Süden versteckt sich hinter Dunst, der über dem Meer hängt. Nur wenn man seine Augen sehr anstrengt erkennt man die Umrisse marokkanischer Gipfel, die versuchen über die Dunstglocke herauszuragen.



Für mich war der Besuch dennoch lohnend, denn wenn man schon nicht mit dem Blick auf Afrika belohnt wird, dann kommt man als Geocacher dort auf seine Kosten. Für Europa Point kann ich die folgenden Geocaches empfehlen.
- Strait of Gibraltar (Earth Cache)
Habt ihr gewusst, dass das Mittelmeer mal eine Salzwüste war? Lernt ein paar spannende Fakten über die Straße von Gibraltar und verdient euch diesen Earth Cache. - What is here? (Multi Cache)
Sammelt drei Variablen (die einzige Schwierigkeit dabei ist, die richtige Tafel zu verwenden) und findet den Cache. Da die Koordinaten am Ende etwas off sind empfehle ich unbedingt das Spoiler Bild zu nutzen. - Lighthouse Gibraltar (Virtual Cache)
Ein Virtual der einfachsten Art. - Short WIG at Gibraltar (Wherigo Cache)
Euch erwartet ein klassischer Waldmeister-Reverse-Cache, und ich denke ich spoile nicht zu viel, wenn ich verrate, dass der Final in der Nähe des Europa Point ist. Also: Cartridge runterladen und finden!
4 Caches – 4 verschiedene Cachearten. Cool, oder? Am Europa Point bzw in der Nähe gibt es auch Traditionals zu finden (die ich mangels Wartung aber nicht empfehle), und da es ein beliebter Ort für Events ist könnt ihr mit etwas Glück sogar mit 6 Cache-Arten an diesem Ort heimgehen. Da der Empfang am Europa Point schlecht ist, empfehle ich unbedingt die Caches sowie die Spoiler-Bilder im Vorhinein herunterzuladen.
Anreise: Ich empfehle euch, den Bus zum Europa Point zu nehmen. Denn der Fußweg von der Midtown Coach Station beträgt mindestens eine Stunde, und der Weg ist nicht unbedingt schön. Es herrscht viel Autoverkehr, und es gibt nicht durchgehend einen Gehsteig. Bus 2 hält an mehreren Haltestellen im Zentrum und fährt dann viermal stündlich in 20 Minuten zum Europa Point Terminus.
Gibraltar Nature Reserve
Vom Europa Point ist das Jews’ Gate der beste Zugang zum Nature Reserve. Mit einer Eintrittsgebühr von 30 GBP ist das eine sehr teure Angelegenheit, aber auch wenn man in der kurzen Zeit nicht alle 17 Attraktionen sehen kann, empfehle ich dennoch den Besuch. Das Geld ist auch gut angelegt – damit wird sichergestellt, dass das Nature Reserve weiter bestehen bleibt und die gute Lage nicht für Hotels und Anlegerwohnungen missbraucht genutzt wird.
Am Eingang bekommt man eine Karte und kann so seinen Besuch planen. Für mich ist klar, dass ich die berühmten Berberaffen sehen möchte, und plane so meinen Weg über die Windsor Suspension Bridge zum Ape’s Den.


Anreise: Vom Europa Point geht man etwa 25 Minuten (140 Höhenmeter) zum Jews’ Gate. Mit Afrika im Rücken biegt man vom Europa Point nach links auf die Hauptstraße und folgt ihr bis rechts Stiegen zur Windmill Hill Road hinaufführen. Von hier folgt man dem Weg immer bergauf bis zum Eingang zum Nature Reserve. Was man nicht tun sollte, ist vom Europe Point nach rechts abzubiegen – auf meiner Karte war dort ein Weg eingezeichnet, den es aber nicht gibt. Man kann auch den Bus nutzen, und dafür vom Europa Point die Linie 2R (nach Market Place) bis North Gorge (East) nehmen, und dann der Straße folgen bis man die oben beschriebenen Stiegen erreicht. Man verkürzt die Anreise so um etwa 10 Minuten.
Windsor Suspension Bridge
Vom Jews’ Gate weg ist es viel ruhiger als am Rest des Felsens. Ich folge dem einzigen möglichen Weg (die Mediterranean Steps sind gesperrt) und sehe bald auf der linken Seite einen Weg, der von der Straße abzweigt und als Royal Anglian Way beschildert ist. Im Verlaufe weisen Schilder auf das richtige Verhalten bei Kontakt mit Affen hin, aber noch sehe ich keine.


Es klart mittlerweile auf, die Sonne scheint und ich freue mich durchaus über den Schatten, den die Bäume hier werfen. Nach etwa 20 Minuten komme ich an der Windsor Suspension Bridge an, die sich 70 Meter lang über eine Schlucht spannt, und beim Betreten ganz schön wackelt. Wer Höhenangst hat kann unbesorgt sein: direkt vor der Brücke kann man nach rechts abzweigen und die Schlucht auf festem Untergrund umgehen. Wer jedoch den Virtual Cache “Shaken not Stirred: 007” loggen möchte tut sich wesentlich leichter, wenn er die Brücke überquert – es gilt nähnlich die tragenden Stahlseile zu zählen. (Randnotiz: hier in der Nähe wurde die Anfangszene vom Bond-Film “Der Hauch des Todes” aufgenommen – allerdings viele Jahre bevor die Brücke 2016 eröffnet wurde.)

Die Affen! 🤩
Ich überquere die Brücke und bin ganz vertieft ins Abzählen der Stahlseile, dass ich das Hindernis am Ende der Brücke erst sehr spät wahrnehme. Denn am Ende der Brücke sitzen… Affen!
Die Berberaffen, eine Art von Makaken die urspünglich aus dem afrikanischen Atlasgebierge kommt, leben in 5 Gruppen frei am Felsen von Gibraltar, und die Touristen die heute über die Brücke gehen könnten ihnen nicht egaler sein. Sie dösen in der Sonne, lausen sich, oder turnen auf den Seilen der Brücke. Mein Herz erobert ein noch sehr junger Affe, der am heutigen Tag offensichtlich die meiste Energie von allen hat.




“Gibraltar bleibt britisch, solange es hier Affen gibt.” sagt die Legende. Das ist gut für die Affen, denn während die Bestände weltweit schwinden, vermehren sich die Makaken in Gibraltar.
Nach ausgiebigem Beobachten der Affen spaziere ich weiter, um den ältesten Cache Gibraltars zu finden. Man erreicht ihn in 10 Minuten, wenn man nach der Suspension Bridge weitergeht, und bei nächster Gelegenheit nach scharf rechts bergauf geht, und in der engen Kurve dem Straßenverlauf mit dem spitzest möglichen Winkel folgt. Am Weg zum Cache unterquert man eine Mauer, die den Felsen hinaufläuft, und auf der enge Treppen eine Möglichkeit auf- oder abzusteigen bieten. Von hier kann man entweder nach unten gehen, um vom Apes’ Den aus das Naturschutzgebiet über den Ausgang Devil’s Gap zu verlassen, oder man geht nach oben, wo man unter anderem den Gipfel und den Skywalk besuchen kann. Weil meine Zeit schon knapp wird, entscheide ich mich die Stiegen nach unten zu nehmen. Auch hier wimmelt es von Affen. Es wird empfohlen, die Treppen nicht zu nutzen, wenn sich Affen darauf befinden, da sich diese aufgrund der Enge bedroht fühlen könnten.
Vom Apes’ Den ist man in 20-25 Minuten wieder unten im Zentrum von Gibraltar, und kann sich dort in einem der vielen Cafes und Restaurants stärken.



Wer zum Europa Point den Bus genommen hat, und ohne Umweg zum Jews’ Gate gegangen ist, hat jetzt noch genügend Zeit übrig, um etwas Essen zu gehen, oder um nach der Windsor Suspension Brige noch den Skywalk zu besuchen. Ich jedenfalls freue mich, den Rest des Felsens bei meinem nächsten Besuch zu erkunden – und dann hoffentlich mit glasklarer Fernsicht.