Die steirischen Almen am Nord-Süd-Weitwanderweg 05

Vom Murtal über die Almgebiete der Gleinalpe, Stubalpe und Koralpe nach Eibiswald in der südlichen Weststeiermark. Die letzten 170 km am NSWW, Et. 16-22

Almen soweit das Auge reicht! (Hirschegger Alpe)

Tag 1: von Trofaiach zum Mugelschutzhaus

Aussichtsreicher Blick zurück

Angekommen in Trofaiach (658 m), nach der „Überwindung“ des steirischen Gebirges am Nord-Süd-Weitwanderweg 05, ist für uns noch nicht Schluss. Es geht weiter ins Almgebiet und, wenn alles gut geht, sogar bis Eibiswald – das Ziel des NSWW. Aber fürs Erste fahren wir am frühen Morgen (Mittwoch, 19.8.26) mit dem Bus von Leoben, wo wir übernachtet haben, wieder zurück nach Trofaiach (genauer zur Haltestelle „Alpenvereinsheim“), um zu Fuß nach Leoben zurückzugehen. Schräg, oder? Es regnet und der Weg bis Leoben zieht sich auch noch ordentlich – haben wir uns so unseren Wanderurlaub vorgestellt? Das Wetter wird im Laufe des Vormittags aufheitern und am Nachmittag sogar sonnig-sommerlich. Und auch wenn Gausendorf, der Trabocher See und die Niederung nicht die Knüller unterwegs sind, muss man doch sagen, dass die Ausblicke zurück auf das Hochschwabgebirge und den Eisenerzer Reichenstein wirklich famos sind! Nebenbei wird hier auch an eine nachhaltige Zukunft gedacht: wir passieren riesige Photovoltaik-Anlagen.

Aufstieg in der zweiten Tageshälfte

Die Wegführung ist sehr vorteilhaft für Wandernde – man kommt vom Grünen zentrumsnah nach Leoben (541 m) hinein. Den von der Eisenverarbeitung geprägten Stadtteil Donawitz sieht man lediglich von oben, den dazugehörigen Industrielärm erspart man dem Zu-Fuß-Gehenden. Danke! Wir überqueren die Mur auf der Waasenbrücke, eine kühne Stahlkonstruktion aus dem Jahre 1895. Der Hauptplatz ist eine gemütliche Fußgängerzone mit vielen Schanigärten, die auch uns zu einer Rast einladen. 4 ¾ Stunden sind wir schon unterwegs, aber die eigentlichen Höhenmeter kommen noch. Wir steigen hinauf zur Massenburg (572 m) aus dem 13. Jahrhundert, dann weiter zum Spitz Christi (1.105 m, ein größerer Stein, mit einem Kreuz versehen) und zum heute geschlossenen Gasthaus Schmollhube (1.145 m). Nach weiteren 500 Höhenmetern im steilen Aufstieg erreichen wir schließlich das moderne Gipfelkreuz der Mugel und gleich daneben das Mugelschutzhaus (ÖTK) auf 1.626 m Seehöhe. Das bemühte Pächterpaar betreut uns fürsorglich und der Sonnenuntergang ist wahrlich spektakulär – ein Urlaubstag wie aus dem Reisemagazin (zumindest am Tagesende).

Tag 2: vom Mugelschutzhaus zum Gleinalmhaus

Im ständigen Auf und Ab über die Gleinalpe

Der nächste Tag (Donnerstag, 20.8.26) beginnt zeitig mit einem grandiosen Sonnenaufgang! Schon um 5.30 Uhr macht sich der gut gelaunte Hüttenwirt am Fleischwolf zu schaffen, während seine Frau lachend für Kaffee und Frühstück sorgt – eindeutig ein Frühaufsteher-Team! Kein Wunder: die milde Morgensonne strahlt zum Küchenfenster herein, das goldene Licht schafft es bis in den Gastraum –Morgenmuffel wissen ja nicht, was sie da versäumen! Viertel nach sechs sind wir bereits auf dem Weg bergab zum Trasattel (1.304 m). Auf der Weidefläche der Hochalm angekommen, treffen wir auf ein „Kühe pflückendes“ Bergbauernpaar. Es wechselt Wald mit offener Grasfläche ab, die schöne Ausblicke erlaubt. Gemeinsam mit dem Zentralalpenweg 02 sind die nächsten Ziele Almwirt (1.170 m), Pöllasattel (1.270 m) und Fensteralm (1.642 m) schließlich erreicht. Es ist Halbzeit an diesem langen Tag und Zeit für eine Pause mit den schmackhaften Jausenbroten der „guten Fee“ vom Mugelschutzhaus.

Die unvermeidliche Schlechtwetterfront

Von jetzt an dominieren die Almgebiete die Landschaft. Im Westen zeichnen sich die Bergketten der Niederen Tauern trotz Diesigkeit vom Himmel ab. Der Polsterkogel (1.608 m) ist schnell erreicht, der Polstersattel (1.505 m) detto. Während wir mühsame Höhenmeter zum Eiblkogel (1.831 m) aufsteigen, brausen unter uns motorisierte Fahrzeuge durch den Gleinalmtunnel. Der Blick zum Himmel verheißt nichts Gutes. Die Gewitterprognosen ab Mittag scheinen sich jetzt zu bewahrheiten und finstere Wolken ziehen inzwischen von allen Seiten zusammen. Am Kreuzsattel (1.583 m), wo die Almwiese nicht von den üblichen Wiederkäuern, sondern von eleganten Pferden beweidet wird, beschließen wir zur Forststraße abzusteigen und die exponierten Flächen von Larch- und Speikkogel zu meiden – sicher ist sicher! Den Gleinalmsattel (1.586 m) mit der Kirche Maria Schnee und dem privaten Gleinalm-Schutzhaus erreichen wir mit den ersten Regentropfen.

Anfällige Infrastruktur

Hüttenwirt Michael weiß nichts von unserer telefonischen Reservierung, willkommen sind wir trotzdem. Nach einer eiskalten Blitzdusche (die Solaranlage ist in Reparatur) serviert er uns herzhafte Koteletts mit Knödeln und Sauerkraut. Zu einem möglichen Dessert befragt, bedauert Michael – er kann derzeit leider keinen Kuchen backen, weil der Kombidämpfer gerade nicht geht. Stattdessen bekommen wir ein „steirisches Eis“ (Vanilleeis und Kürbiskernöl) mit fürsorglichen 2 Waffelherzen, damit „ihr euch nicht drum streiten müsst“. 😊 Morgen in der Früh wird der Strom für eine ganze Weile ausfallen, weil das bei „dichten Wolken und feuchter Luft am Sattel immer so ist“ (wie gut, dass Michael den Kaffee noch vor der Netzstörung zubereitet hat). Schaut man von der Stube bei der Durchreiche in die Küche, zeigt sich sogar ein Thermomix-Gerät auf der Arbeitsfläche. Die Ausstattung der rustikalen Berghütte lässt kaum Wünsche offen, ihre Funktionstüchtigkeit bleibt halt in beträchtlichem Abstand dahinter. Michael nimmt es gelassen – wir auch!

Von Vergangenheit und Gegenwart

Es gesellt sich noch eine Gruppe Lokaler in die Gaststube: es ist der benachbarte Halter mit seinen Helfer*innen, die heute die Kühe von der Weide abgetrieben haben, und dies jetzt gebührlich feiern. Das Ausmaß an Redseligkeit unter Alkoholeinfluss ist erstaunlich. Wir wissen nun von den Sommern der Lipizzanerstuten im Brendlstall (die Weidewiese am gegenüberliegenden Hang kann man vom Stubenfenster aus sehen), von einer Frau im weißen Leinennachthemd mit zwei kleinen Kindern an der Hand, die in einer Nacht in den 50er Jahren vor ihrem alkoholisierten, tobenden Mann flüchtend, bei den überraschten Nachbarn läutete, von der Volksmusikformation „Die Edlseer“, die „ganz spitze“ sein soll, vom Blitzeinschlag 2004 im Turm der Kirche Maria Schnee und dem gemeinsamen Wiederaufbau und schließlich von der Schlöglalm kurz vorm Polsterkogel, die unter dem neuen Halter nun auch Einkehr- und Schlafmöglichkeiten anbietet. Keine Details werden ausgespart – weder die erfreulichen, noch die erschreckenden.

Gleinalmhaus – noch sind wir die einzigen Gäste 😉

Tag 3: vom Gleinalmhaus zum Gaberl

Versteckspiel grau in grau

Am nächsten Morgen (Freitag, 21.8.26) badet der Gleinalmsattel (1.586 m) in einer dicken Nebelsuppe. Wir passieren unterhalb des Roßbachkogels. Sehen tut man nichts – gar nichts! Alles verschwindet im Nebel – die Berge, die Kühe, die Gämsen und auch der Markus. Von Zeit zu Zeit reißt eine Wolke auf und wir sehen auf die Wolkendecke, die sich in den Tälern ausgebreitet hat – ein durchaus reizvoller Anblick an diesem sonst eher trüben Tag. Hinter der Zeißmannhütte (1.580 m) wird wohl so mancher Mann mit gutartiger Prostatavergrößerung angesichts des vitalen Powerbrunnens neidisch: das Wasser schießt mit solch einem Tempo und Volumen aus dem horizontalen Rohr, dass einem schwindlig wird. Das Oskar-Schauer-Haus (1.394 m), oder auch Sattelhaus genannt, der Naturfreunde erreichen wir entlang eines mit Blumenkisterln geschmückten Zaunes. Die pinkfarbenen Petunien sind willkommene Farbtupfer in der Tristesse des Nebels. Den vegetarischen Steirer-Burger mit Käferbohnenlaberl (inkl. Rezept) lassen wir aus und stärken uns stattdessen mit Kaffee und Zwetschkenkuchen. Am Stier-Kreuz bestaunen wir ausgestopfte Auerhähne in einem waidmännischen Schaufenster. Ab der Turneralm (1.480 m) sind wir am Violetten Weg der Via Alpina unterwegs – also kommen wir doch noch in den Genuss der Via Alpina heuer, und das sogar bis Eibiswald!

Drei Generationen unter einem Dach

Nach einigen Höhenmetern bergauf erreichen wir schließlich das Gaberlhaus (1.547 m) der Familie Lipp, das Tagesziel dieser eher unspektakulären Etappe. Die Senior-Chefs schupfen die Gastronomie, die Juniorchefin managt die Zimmer und alles rundherum und der Kleinste blockiert den Stiegenaufgang – das ist gelebte Arbeitsteilung im Mehrgenerationenbetrieb. Draußen regnet es inzwischen in Strömen. Der landestypische Lokalkolorit setzt sich auch hier fort: es gibt Steirer-Gordon-Bleu in Kürbiskernpanier. Der internationale Kontrapunkt ist aber die kulinarische Besonderheit des Hauses: man kredenzt die sogenannte „Kremowki“, die Lieblingsschnitte von Papst Johannes Paul II nach dem Originalrezept aus Wadowice. Familie Lipp ist auf Wandernde bestens eingestellt: unsere Schuhe dürfen auf den Schuhtrockner und wir werden detailliert zu unserer Route befragt. Letztlich ist es ist auch Herrn Lipps leidenschaftlichem Plädoyer zu verdanken, dass wir am nächsten Tag den Umweg zwecks Neuerrichtung eines Windparks in der Nähe vom Schwarzkogel unbeachtet lassen: „Morgen ist Samstag, da arbeitet dort eh niemand! Geht doch bitte einfach durch die Baustelle. Der sogenannte „Ersatzweg“ verläuft teilweise weglos (!) und mit vielen zusätzlichen Höhenmetern. Das muss man sich wirklich nicht antun!“ – passt, alles klar!

Tag 4: vom Gaberl zum Packsattel

Baumaschinen im Ruhemodus

Prächtiger Sonnenschein begrüßt uns am nächsten Morgen (Samstag, 22.8.26). Es steht die Überquerung der Stubalpe am Programm. An Windrädern vorbei geht es bei deutlich frischeren Temperaturen als zuletzt durch den Wald zum Alten Almhaus (1.620 m), das zu früher Stunde noch recht verlassen aussieht. Nur vereinzelt sind schon Wandernde oder Montainbiker unterwegs. Bald kündigen Schilder die Neuerrichtung des Windparks Stubalm an. Herr Lipp hatte natürlich recht, die Baustelle verharrt wochenends im Stillstand. Also ignorieren wir ganz ungeniert die Verbotsschilder und wandern am ursprünglichen Weg, der jetzt aber für LKWs massiv verbreitert wurde, bis zum Salzstiegelhaus (1.543 m) am Hirschegger Sattel. Eine Espresso-Pause hat noch niemandem geschadet. Als nächstes überstehen wir mit frischem Koffein im Blut den Aufstieg über die Skipiste bis zum Beschneiungsteich mit seinem einsamen Windrad. Das Schönste an diesem Abschnitt ist der Blick zurück ins Obere Murtal.

Im Caching-Fieber

Schon der Anstieg zum Peterersattel (1.745 m) kündigt an, was uns in den nächsten Stunden erwartet: Heidekraut-gespickte Almwiesen soweit das Auge reicht. Wir erreichen die Landesgrenze zwischen der Steiermark und Kärnten entlang der Hirschegger Alpe, und mit ihr den Lavanttaler Höhenweg – einen 160 km langen Wanderweg rund um das namensgebende Tal. Ab sofort werde ich Markus nur mehr gelegentlich zu Gesicht bekommen. Er ist schwer beschäftigt und wieselt eifrig von Geocache zu Geocache. Denn am Lavanttaler Höhenweg hat jemand einen sogenannten „Powertrail“ gelegt. Unglaubliche 80 Caches gibt es hier für Markus zu finden. Derweil geht es für mich ganz entspannt den Höhenrücken entlang. Nach Westen schaue ich ins Lavanttal, nach Osten ins Grazer Becken. Genau am Grat trennt ein Weidezaun über viele, viele Kilometer die steirische von der kärntnerischen Alm. Oder ist das vielleicht doch ein Grenzzaun? Der Himmel hat sich wieder einmal verdunkelt, aber immerhin nicht bedrohlich. Bei der Bernsteinhütte (1.559 m) legt auch Markus eine Pause ein. Während eine über 40-köpfige Naturfreunde-Gruppe das Almhaus stürmt, beginnt es zu regnen. Aber wir haben uns schon daran gewöhnt, dass wir am 05er den Regenponcho immer ganz oben in den Rucksack packen (vorausgesetzt, er wurde überhaupt eingepackt).

Die Treibhausgasbilanz eines Knödelhüttenbesuchs

Ab der Knödelhütte verläuft der Weg mit nur wenigen Ausnahmen auf einer Straße, die eigentlich ein Highway zwischen der Knödelhütte und dem Packsattel ist. Die beliebten Teigkugeln bieten ja eine ideale Gelegenheit, auch altbackene Semmeln einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, ganz nach dem Motto „Kann Nachhaltigkeit noch köstlicher sein?“. Alles andere hier kann man allerdings nicht als zukunftsfähig betrachten: gut 50 Autos parken vor besagter Hütte und auf den nächsten 3 Kilometern begegnen uns mehr Fahrzeuge als in den letzten 7 Tagen insgesamt. Es hat sich hier wohl noch nicht herumgesprochen, dass man auch zu Fuß gehen kann. Schade! Beim geschlossenen Barbarahaus am Packsattel (1.320 m, Naturfreunde) finden wir draußen vor der Tür praktischerweise einen Stempel. Beim telefonischen Reservierungsversuch vor zwei Tagen war der Hüttenwirt untröstlich, dass er wegen einer Familienfeier übers Wochenende geschlossen hat.

Das Dorfleben darf nicht sterben!

Wir wandern weiter in den Ort Pack (1.125 m), wo erst vor wenigen Wochen das nagelneue „Packerhöhe“ aufgemacht hat. Mit dem Schließen des letzten Wirtshauses im Ort vor einiger Zeit ist ein wichtiger Treffpunkt für Jung und Alt verloren gegangen. Die Gemeinde hat sich ein Herz gefasst und ein Multifunktionshaus gebaut: Restaurant – mit bodenständiger Kost, großer Festsaal – eine fröhliche Feier ist gerade in vollem Gang, Zimmer – eines davon gehört uns für heute Nacht, Nahversorger – Milch und Gemüse aus der Region, und Jagdgeschäft – eine Waffe kann man ja quasi immer gut gebrauchen. Alles unter einem Dach. Der Pächter ist sichtlich stolz. Und das Wandern ist ihm auch nicht fremd: er lotst uns auf die geräumige Dachterrasse und deutet von Nordosten nach Nordwesten. In weiter Ferne sind im Dunst Berggipfel zu erkennen. Er kann sie alle benennen: Hohe Veitsch und Hochschwab, dazwischen der Seebergsattel, weiter links Fensteralm und Eiblkogel, Speikkogel und Roßbachkogel. Unsere letzten 7 Tage zu einem eindrucksvollen Panorama zusammengefasst.

Tag 5: vom Packsattel zur Weinebene

Akute Durchbruchgefahr

Sonntag, 23.8.26: nach einem wahrlich königlichen Frühstück, das sonntags auch von den Ortsbewohner*innen gerne besucht wird, geht’s für uns erstmals auf das ausgedehnte Bergmassiv der Koralpe. Es geht durch Wald und Wiesen. Unterirdisch verläuft die Tunnelröhre der A2, oberirdisch treffen wir auf das „Steinerne Weibl“ – ein hoher, schlanker Stein mit einem Gesicht. Ob er aus keltischer Zeit oder dem Mittelalter stammt, ob er als Kultstein, Grabstein oder Grenzstein aufgestellt wurde, bleibt unbeantwortet, denn man weiß es einfach nicht. Der Windpark Freiländeralm ist weithin sichtbar, dann ist aber bald Schluss mit der Aussicht und wir gehen vorwiegend durch dichten Wald. In Packwinkel treffen wir auf eine lebensgefährliche Brücke: das Holz ist bemoost und mehrere Latten sind eingebrochen. An eine Benutzung ist nicht zu denken. Wir schlagen uns durch die reiche Hochstaudenflur und klettern über mehrere herumliegende Baumstämme bis wir schließlich eine niedrigere Stelle der Böschung erreichen, wo der kleine Bach gefahrlos passiert werden kann. Wandern ist immer auch ein bissal Abenteuer.

Nach dichtem Forst doch noch Aussicht

Wir erreichen schließlich die Hebalm (1.294 m), doch die Gastronomie ist geschlossen und alles wirkt abweisend. Man kann nur hoffen, dass im Winter hier mehr los ist. Für ein kurzes Stück verläuft der Weg nun in Kärnten, dann aber bald wieder der Grenze entlang bis zur Weinebene. Am Wildbachsattel wundern wir uns über den bedenklichen „Wolfsstein“. Er weist auf die „heldenhafte“ Tötung eines Wolfs durch einen Oberförster im Jahr 1914 hin. Den ganzen Tag schon befinden wir uns im ständigen Aufstieg und auf der Handalm (1.840 m) haben wir den höchsten Punkt für heute erreicht. Vor uns breitet sich endlich ein wunderbares 360° Panorama aus. Ganz nah sind natürlich die Windräder auf der Handalm. Wir sehen nicht nur ins Lavanttal und in die Weststeiermark, sondern auch zu unserem morgigen Ziel im Süden: der Große Speikkogel mit seinen beiden Radarstationen liegt direkt vor uns.

Von Öfen aus Gestein, einer besonderen Kapelle und einem 80km-Gewaltmarsch

Der Fiebertraum des Geocachings hat Markus noch immer fest im Griff und erreicht seinen heutigen Höhepunkt auf der Handalm, wo er mit großem Einsatz unter einem Weidezaun durchrobbt um auch ja keinen Geocache auszulassen. Die Almwiesen sind zunehmend mit größeren Felsen durchsetzt. Es sind dies sogenannte Felsöfen, die aus Plattengneis bestehen und ganz typisch für die Koralpe sind. Schließlich steigen wir zur Weinebene (1.668 m) steil bergab. Der Besuch der Pauluskapelle ist für Mitglieder der ÖAV Sektion Weitwanderer quasi Pflicht, ist sie doch die letzte Ruhestätte des Sektionsgründers Carl Hermann, der auch der Initiator des Nord-Süd-Weges war. Die Gösler Hütte, unser heutiges Nachtquartier, liegt etwas abseits von der Passhöhe. Fast könnte man meinen, sie hat geschlossen, so beschaulich ruhig ist hier alles. Noch heute in der Früh war hier richtig was los, denn die 24-Stunden-Wanderung „Koralm24“ hatte bei der Gösler Hütte ihren Start- und Zielpunkt. Jetzt sieht man keinerlei Spuren mehr davon. Uns soll es recht sein, wir genießen die Stille.

Tag 6: von der Weinebene zum Koralpenhaus

Ein ambitionierter Cacher und seine Wanderstatistik

Der neue Tag (Montag, 24.8.26) beginnt sehr entspannt mit einem späten und ausgedehnten Frühstück. Wir haben die heutige Etappe auf die Hälfte gekürzt und gehen nur bis zum Koralpenhaus. Unser eigentliches Etappenziel, die Brendlhütte, hat seit wenigen Tagen nun montags einen Ruhetag und steht somit heute nicht für eine Übernachtung zur Verfügung. Es herrscht ungetrübter Sonnenschein. Markus nimmt sich für die Cache-Jagd viel Zeit, schließlich ist es der letzte Tag am Lavanttaler Höhenweg und dieser Umstand will ausgekostet werden. Ich genieße hingegen ausgedehnte Pausen. Am Tagesende werden Markus‘ Geocache-Ausflüge sich in einer verdoppelten Höhenmeter-Bilanz niederschlagen – der Moschkogel war dann doch höher als gedacht!

Eine Goldhaube ohne Tracht

Der Anstieg zum höchsten Gipfel der Koralpe ist zunächst gemütlich, zwischendurch geht es sehr steil durch Latschenbewuchs hinauf und dann auf einem schönen Höhenweg schließlich bis zum Gipfelkreuz des Großen Speikkogels (2.140 m). Gleich dahinter befinden sich die beiden Radaranlagen, die Teil der österreichischen Luftraumüberwachung „Goldhaube“ sind. Eine Station dient der zivilen Luftfahrt, die zweite dem Militär – also ganz so, wie in den Leiser Bergen im idyllischen Weinviertel. Die Aussicht ist wieder einmal fabelhaft. Auch Weitwanderschlumpf ist schwer beeindruckt, wo er da mit uns überall hinwandern kann. Schließlich haben wir genug getrödelt und der Hunger lässt uns zum nahen Koralpenhaus (1.966 m, ÖAV) absteigen, wo wir alsbald vor einem flaumigen Kaiserschmarrn sitzen, während zwei Segelflieger abwechselnd versuchen, so niedrig wie möglich die Terrasse zu überfliegen. Der Tag klingt mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang aus, bevor wir uns ins Hütten-Hochzeitszimmer mit Himmelbett (!) zurückziehen.

Tag 7: vom Koralpenhaus nach Eibiswald

Wenn sich der Regen nicht an die Prognose hält

Dienstag, 25.8.26: ab Mitternacht heult der Wind ums Koralpenhaus, in unserem Eckzimmer bekommen wir das ganz besonders mit. Der nette Hüttenmitarbeiter aus Mistelbach zaubert schon um 6 Uhr in der Früh ein herzhaftes Hüttenfrühstück nicht nur für uns auf den Tisch – auch die hier untergebrachten Arbeiter brechen schon zeitig auf. Der Sturm hat noch nicht nachgelassen, als wir unterhalb des Großen Speikkogels Richtung Frauenkogel wandern. Die Wolkenformationen bilden ein symmetrisches Wellenmuster in 3D und schauen ausgesprochen besonders aus. Richtung Südwesten ziehen schon Regenstriche durch, obwohl das Schlechtwetter erst für Mittag vorhergesagt war. Wir bemühen uns, möglichst rasch voranzukommen, auch wenn der ein oder andere Geocache nicht ignoriert werden kann. Kurz nach 9 Uhr erreichen wir die Brendlhütte, doch sie ist noch nicht geöffnet. Ein Auto fährt zwar die Straße herauf, parkt vor der Hütte und ein Generator nimmt brummend seine Arbeit auf, aber der dazugehörige Mensch lässt sich nicht blicken. Inzwischen hat es sich rundum eingeregnet und auf eine Wetterbesserung brauchen wir vorerst nicht zu hoffen. Wir werfen also gekonnt die Regenponchos über (darin haben wir inzwischen eine gewisse Übung) und marschieren los.

Kühe auf Verfolgungsjagd

Tatsächlich treffen wir sogar zwei wetterfeste Wanderinnen, die sich eine kleine Halbtagestour vorgenommen haben. Nach 1 ½ Stunden hört der Regen dann doch wieder auf und in St. Katharina in der Wiel packen wir die Regenponchos wieder ein. Erste Obstplantagen kündigen die steirischen Niederungen an, die Koralpe liegt hinter uns. Während des steilen Anstiegs hinauf nach St. Oswald ob Eibiswald kommt sogar die Sonne heraus, womit wir gar nicht gerechnet haben. Eine Pause im Kaiserhof tut uns gut. Auch ein durchnässter Motorradfahrer hat dort Zuflucht gesucht und trocknet nun seine Ausrüstung im Sonnenschein. Weit ist es jetzt nicht mehr und dennoch spüren wir inzwischen den frühen Tagesstart und die letzten 9 Wandertage ohne Pause. Das steirische Schilcherland breitet sich vor uns aus. Nach der Höchwirt-Kapelle führt der Weg mehrmals durch neues Weidegebiet, wobei bei der Montage des Elektrozauns nicht immer an Wandernde gedacht wurde. Wir wundern uns über den Wegverlauf, der in diesem Bereich nicht wirklich klar ersichtlich ist. Schließlich müssen wir noch über eine letzte Weide. Die Kühe haben in dichter Formation Aufstellung genommen und beäugen uns kritisch. Bewegen wir uns weiter, tun sie es auch. Langsam und mit Bedacht überqueren wir das Wiesenstück, in enger Verfolgung durch die Kuhherde. Letztlich passieren wir den Elektrozaun und lassen die Wiederkäuer jenseits der Begrenzung lachend zurück.

Bald durchwandern wir beim Weingut Garber die ersten und auch gleich die letzten Weingärten am 05er und der Aussichtsturm bietet noch einen finalen Rundumblick. Noch ein Waldstück, dann ist es geschafft: wir erreichen den Ortseingang von Eibiswald, wo wir beim Weitwanderstein Aufstellung für unser Ziel-Selfie nehmen.

Unser 05er zusammengefasst

Mit einer 4-tägigen Winterwanderung haben wir am Nebelstein mit dem Nord-Süd-Weitwanderweg 05 begonnen. In der Karwoche ging es zuerst in umgekehrter Gehrichtung von Melk nach Spitz, dann von Melk nach St. Anton an der Jeßnitz. Der Mai brachte uns über Lackenhof und die Gemeindealpe bis nach Mariazell. Im Juni stand die Hohe Veitsch auf dem Wanderprogramm. Der August gehörte dann dem restlichen 05er, also Hochschwab und die Almgebiete Gleinalpe und Koralpe. Die Wettergöttin war uns nicht immer wohlgesonnen. Die Sonne schaute zwar immer wieder vorbei, aber der Regen war reichlich und die Kälte in der Karwoche unvergessen. Übrigens ist auch das Ungemach verursacht durch Schnee, Wind, Eis, Graupelschauer, Sturm, Schneeregen, Nebel in verschiedenen Abstufungen und Böen nicht unbedingt angenehm. Gewitter setzten glücklicherweise erst ein, wenn wir bereits ein Dach über unseren Köpfen hatten. Hat man aber nach 480 km das Ziel erreicht, ist das alles nebensächlich. Durch die Jahreszeiten zu wandern, hat einen ganz besonderen Reiz. Dass wir die eigentlich schönste Zeit zum Wandern – den Herbst – dabei ausgelassen haben, ist nur dem Umstand geschuldet, dass die Via Alpina heuer ausgefallen ist und wir dadurch viel „Sommer-Freizeit“ hatten. Es war insgesamt eine sehr abwechslungsreiche und landschaftlich interessante Durchquerung Österreichs von Nord nach Süd.

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