Der NSWW überschreitet in der Steiermark die Veitschalpe, das Hochschwabmassiv und den Eisenerzer Reichenstein. Letzteren müssen wir wetterbedingt leider auslassen (11.-15. Etappe).

Tag 1: von Mariazell zum Graf-Meran-Haus auf der Hohen Veitsch
Trüb und regnerisch ins Wochenende
Mit der Himmelstreppe geht’s an diesem Freitagabend direkt in eine Regenwolke. Während die Tropfen gleichmäßig auf das Zugfenster fallen, erinnert sich Markus daran, was nicht den Weg in seinen Rucksack gefunden hat: sein Regenponcho. Durchaus nicht unwesentlich an einem Wochenende mit durchwachsener Wetterprognose. Der Samstag (13.6.26) startet so, wie der Freitag geendet hat: erfrischendes Nass kommt von oben, mal stärker, mal schwächer, mal mit Pausen. Immerhin sind Markus‘ Regenhose, Rucksackschutz und ein (schon etwas lädierter) Taschenfaltschirm auf die Reise mitgekommen. Aber es soll ja spätestens ab Mittag vorbei sein und die Sonne wird uns lachen. In Mariazell (868 m) schauen wir noch schnell in ein geöffnetes Schuhgeschäft und fragen nach einem Plastik-Einweg-Poncho, doch es wird verneint. Die freundliche Dame reicht Markus stattdessen einen überdimensionalen Plastiksack – na, besser als nichts, falls der Schirm es nicht bis zum Seebergsattel schaffen sollte.

Akuter Pilgeralarm
Wir lassen die Basilika hinter uns, bald auch die Salza und stehen im Handumdrehen auf der überdachten Terrasse des geschlossenen Mooshubenwirts, wo wir erfolglos einen Stempel suchen, der auf einer Tafel großspurig angekündigt wird. Darüber beginnen wir ein Gespräch mit einem älteren Herrn, der auch Zuflucht unter Dach gesucht hat. Er wartet auf seine pilgernde Frauenrunde, deren Gepäck-Chauffeur er ist. Der Regen lässt nach, wir ziehen weiter. Es dauert nicht lange und wir begegnen einer großen Pilgergruppe, die gerade einen Rosenkranz betet – sogar ein geschmücktes Kreuz wird mitgetragen. Es wird nicht die einzige Ansammlung von Pilgernden sein, die wir heute antreffen – bis zum Niederalpl wird die Zahl auf beachtliche 12 (!) Gruppen steigen, die hier am steirischen Mariazellerweg 06 unterwegs sind. Ein Stück weiter finden wir den Mooshubenwirt-Stempel bei einem Pilgerunterstand, was sich gerade sehr gut trifft, denn es beginnt wieder stärker zu regnen. Schließlich geht es von Schöneben durch Morast hinauf zum versumpften Herrenboden, über den feuchten Ochsenboden zur nassen Weißalm, wo fidele Polterer-Pilger die Gaststube füllen. Für uns geht’s weiter zur Wetterinalm: dort wird eine schmackhafte Jause ihrer finalen Bestimmung zugeführt.





Mexiko auf 1.836 m Seehöhe
Am verlassenen Niederalpl gibt’s den Plodererhof-Stempel draußen in einer praktischen Holzbox. Von nun an geht’s bergauf – zunächst nur mäßig, dann sogar eben, später aber immer steiler – das ist alles kein Problem, denn wir geben uns der Seligkeit des Sonnenscheins hin – ja, tatsächlich! Die Regenwolken sind passé und wir lassen uns von der Sonne trockenlegen. Ein prunkvolles Kreuz erhebt sich an der höchsten Stelle der Hohen Veitsch (1.981 m). Wir verharren aber nur kurz an diesem schönen Ort, denn der orkanartige Wind ist recht ungemütlich.






In wenigen Minuten erreichen wir unser Etappenziel, das Graf-Meran-Haus (ÖTK, 1.836 m), das etwas unterhalb des Gipfels liegt. Aus der angeblich höchstgelegenen mexikanischen Küche Europas wird uns Caldo Tlalpeño, eine traditionelle Hühnersuppe, serviert. Während wir uns auch an Haupt- und Nachspeise laben, erzählt uns der aktuelle Pächter vom Auswandern nach Mexiko und Rückkehren nach Europa zwecks Hüttenbewirtschaftung. Die alphabetisch geordnete Flaggenparade der österreichischen Bundesländer in der Gaststube hängt derweil schweigend über den Gästen. Nach einem anstrengenden Tag ist es Zeit für die Hüttenruhe.



Tag 2: von der Veitschalpe zum Seebergsattel
Die (Über)Lebensdauer eines Paraplüs
Gemütlich sitzen wir beim Frühstück (14.6.26), ganz vertieft im eindimensionalen Plausch mit dem Kaffeehäferl, das Koffein entfaltet nur träge seine Wirkung. Was rauscht denn da draußen so? Ein ordentlicher Regenschauer zieht über das Graf-Meran-Haus – der war aber gar nicht prognostiziert von der GeoSphere Austria! Wir starten unter schweren Wolken in den Wandertag. Noch am Plateau erwischt uns ein Guss, den wir im Windschutz einer Latsche abwarten. Regen und Sturm von gestern haben Markus’ Schirm schon sehr zugesetzt. Mehrere Speichen sind inzwischen gebrochen und am fast nutzlosen Gestänge hängt schlaff der einstmals gespannte Stoff über Markus’ Rucksack – immerhin trotzen 4 Speichen hartnäckig ihrem Untergang und halten das Tuch zumindest auf einer Seite des Schirms noch fest!




Die Popularität von Weitwanderwegen
Über den Teufelssteig verlassen wir den höchsten Berg der Mürzsteger Alpen. Die Wolkenfront lockert etwas auf und von Zeit zu Zeit blitzt die Sonne durch. Vor uns liegt eine feine Almwanderung: Rotsohlalm, Turnauer Alm und Göriacher Alm. Wir kommen gut voran – ausgebremst nur von vereinzelten Gatschpassagen. Auf der Seebergalm legen wir eine Jausenpause ein. Noch ein kurzer Anstieg, dann ist der steirische Seebergsattel (1.254 m) mit dem Fernwanderwegekreuz erreicht. Hier wurden am 22.6.1975 die Fernwanderwege E4 und E6, sowie der Nordalpenweg 01 feierlich eröffnet – unter Beisein von 3.500 Personen! Das Weitwandern erfreute sich in dieser Zeit größter Beliebtheit. Eigentlich wollten wir bis Seewiesen weitergehen, aber der (schon wieder) einsetzende Regen und die günstige Busabfahrt in nur 10 Minuten vereiteln dieses Vorhaben. Am Bahnhof Leoben entsorgt Markus die traurigen Überreste, die einmal ein Regenschirm waren. Der Regenponcho wird wohl nicht so schnell wieder vergessen werden…






Tag 3: vom Seebergsattel zum Schiestlhaus
Es geht auf den Hochschwab!
Zwei Monate später (Sonntag, 16.8.26) kehren wir bei prächtigem Sonnenschein zurück zum Steirischen Seeberg und setzen unsere Wanderung durch das steirische Gebirge fort. Zunächst geht es vom Seebergsattel (1.254 m) durch eine Fichtenmonokultur nach Seewiesen (974 m) hinunter und prompt komme ich auf einer steilen, staubtrockenen Passage zu Sturz – na toll, das fängt ja schon mal gut an! Der Rucksack ist mit Extra-Trinkwasser für morgen ausgestattet und heute noch besonders schwer. Ich habe Probleme, meinen Körperschwerpunkt mit den zusätzlichen Kilogrammen am Rücken richtig einzuschätzen. Aber das wird schon! Beim Gasthof Schuster erblicken wir mit Freude zwei neue Übersichtstafeln zum Nordalpenweg 01 und Nord-Süd-Weitwanderweg 05. Ein Espresso, ein Stempel und wir sind bereit für das Hochschwabmassiv!



Die Bergrettung im Einsatz
Im hinteren Seetal werden wir von einem großen, vollbesetzten Feuerwehrwagen mit Blaulicht überholt. Ein Waldbrand? Aber wir haben nirgends Rauch gesehen. Bei der Florlhütte treffen wir auf einige Bergretter. Ihr wisst eh schon Bescheid, oder? Nein, was ist los? Ein junger Mann, Sebastian, 19 Jahre alt, ist gestern Abend nicht zu seinem Auto in Seewiesen zurückgekehrt. Am Samstag war er am Schiestlhaus, dann verliert sich seine Spur. Ein Foto wird gezeigt. Wenn wir irgendetwas ungewöhnliches sehen, uns etwas komisch vorkommt, ein seltsamer Farbtupfen im Fels, was auch immer, sollen wir unbedingt unter 140 eine Meldung machen. Jeder noch so kleine Hinweis könnte hilfreich sein, denn es wird die sprichwörtliche “Nadel im Heuhaufen” gesucht. Wir gehen weiter, gefolgt von einem Suchtrupp der Bergrettung. Sie gehen ein Stück, rufen seinen Namen, bleiben stehen, schauen. Diese Abfolge wiederholt sich ungezählte Male. Die Funksprüche laufen nebenbei. Beim Franzosenkreuz teilen sie sich nach Funkanweisung der Einsatzleitung auf. Immer mindestens zu zweit bleiben sie zusammen. Bei der Voisthalerhütte warten andere Bergretter auf ihre Kollegen. Wir wandern durch die Obere Dullwitz, wieder gefolgt von einigen Bergrettungsleuten.



Während wir über den Graf Meran Steig aufsteigen, fliegen zwei Polizeihubschrauber im ständigen Wechsel über das Bergmassiv und suchen das Gelände ab. Ein mulmiges, beklemmendes Gefühl begleitet unser inständiges Hoffen, dass der junge Mann bald lebend gefunden wird. Von den Helikoptern aufgeschreckt, wandern 4 Steinböcke in etwa 50 Metern Entfernung an uns vorbei – ein kurzer Glücksmoment in diesem Drama. Das Hochplateau erstreckt sich über enorme Weiten. Auf einzelnen Kuppen tauchen immer wieder zwei Bergretter auf, während sich im Südwesten ein Gewitter mit Blitzen ankündigt, das aber den Hochschwab nicht erreichen wird. Zügig schreiten wir weiter und erreichen bald das Schiestlhaus (ÖTK) auf 2.156 m Seehöhe, unser heutiges Etappenziel. Gegen 17.30 Uhr landet ein Polizeihubschrauber bei der Hütte und setzt 3 Bergretter mit Helm und Seil ab. Kurze Zeit später folgen 4 weitere. Morgen werden wir die traurige Gewissheit haben: der junge Mann ist abgestürzt und tot im unwegsamen Gelände aufgefunden worden. Unsere größte Hochachtung gilt den ehrenamtlichen Einsatzkräften der Bergrettung und Feuerwehr, die mit ihrer unermüdlichen Bereitschaft, in Kriesensituationen für andere Menschen da zu sein, diese Suchaktion ermöglicht haben.




Der heißeste Sommer und kaum Regen
Die Suche bleibt natürlich auch noch Thema beim Abendessen. Aber wir lernen Simon kennen, der seit einer Woche auf dem Nordalpenweg 01 unterwegs ist und so für Ablenkung sorgt. Es entwickelt sich ein schönes Gespräch über die Erlebnisse am Weg. Auch die Schutzhütte ist durchaus sehenswert – 2004 neu gebaut, war es zu dieser Zeit das erste Passivhaus im hochalpinen Raum. Der Gastraum mit einem riesigen Panoramafenster holt den Hochschwab direkt in die Stube. Der Trockenraum ist beheizt und hat eine eigene Abluft. Das Lager ist mit großzügigen Stockbetten ausgestattet, die auch ein aufrechtes Sitzen in der unteren Etage problemlos gestatten. Ohne Zufahrtsstraße oder Materialseilbahn, wird die Hütte per Helikopter versorgt, was sich naturgemäß in den Preisen niederschlägt. Derzeit herrscht akute Trockenheit (nicht nur) am Hochschwab und es gibt keinerlei Regenwasser mehr für die Wasseraufbereitung. Das hat klarerweise konkrete Folgen: keine Dusche, keine Handwäsche, keine Katzenwäsche. Nur zum Zähneputzen darf man sich etwas Wasser aus einer Tonne nehmen. Die Toilette ist praktischerweise von Haus aus ein Plumpsklo und kommt somit ohne Wasser aus. Jegliches Trink- und Küchenwasser auf der Hütte muss aktuell per Hubschrauber angeliefert werden. Das ist auch der Grund, warum wir unser Trinkwasser für morgen aus dem Tal mitgenommen haben. Der Hüttenwirt ist besorgt. Wenn in den nächsten Tagen kein Regen fällt, werden sie das Haus nächste Woche für die Saison schließen müssen. Ende im Gelände.



Tag 4: vom Schiestlhaus zur Präbichl-Passhöhe
Ein Gipfel am Morgen…
Das Lager ist mit 10 Plätzen vollbelegt. Die unvermeidliche WC-Karawane ab 3 Uhr früh fördert auch nicht unbedingt guten Schlaf. Aber kurz nach 5 Uhr ist die Nacht sowieso vorbei für uns. Wir laben uns an einem Kannenfrühstück und brechen alsbald auf, denn ein sehr langer Tag mit Regenprognose ab dem Nachmittag wartet auf uns (Montag, 17.8.26). Je weiter wir trocken kommen, umso besser. Unser Weg führt uns zu allererst auf den Hochschwab-Gipfel (2.277 m), wo über dem imposanten Gipfelkreuz schwere Wolken hängen. Sie entladen ihre Fracht glücklicherweise (noch) nicht über uns, das Wetter wird im Verlauf des Vormittags eine Spur besser und dann ab 15 Uhr richtig schlecht werden. Aber davon sind wir noch weit entfernt. Wir genießen vorerst den Ausblick am Gipfel, den wir zu so früher Stunde ganz für uns alleine haben. Im Morgendunst zeichnet sich Bergrücken hinter Bergrücken ab – tatsächlich so weit das Auge reicht. Ein bisschen gespenstisch ist die Atmosphäre mit den dunkelsten Wolken über uns, und es ist auch relativ finster.




Ein Wettbewerb der Örtlichkeiten
Auf dem Weg zum Fleischer-Biwak passieren ein paar Gämsen unseren Weg. Das Biwak ist mit seiner Biene-Maja-Bemalung weithin sichtbar. An der Tür hat sich nicht nur ein Kyselak-Nachfolger mit modernem Permanent-Marker verewigt. Ein Sticker weist darauf hin, dass es hier nett ist – aber waren Sie schon mal in Zeiselmauer? Na klar, die Ausgrabungen aus der Römerzeit in dieser kleinen Ortschaft im Tullnerfeld sind uns wohlbekannt! Egon, ein gebürtiger Zeiselmauerer, freut sich enorm über ein Foto dieses Zeugnisses besonderer Ortsverbundenheit an doch recht außergewöhnlicher Stelle. Es geht dahin über das Hochplateau: Rauchtalsattel, Hundsböden, Hirschgrube. Die Rauheit des steinernen Ödlands passt zur Trostlosigkeit des Himmels. Durch dichte Latschenfelder geht es zur Häuslalm (1.526 m), kurz danach zur Sackwiesenalm. Schließlich erreichen wir die Sonnschienhütte (ÖAV) auf 1.523 m Seehöhe. Die Hütte finden wir verschlossen vor, denn neuerdings wird sie montags und dienstags erst ab 16 Uhr geöffnet. Das ist sehr schade und der Proviantsack wird nun während einer Pause deutlich erleichtert. Auch sind wir froh, dass wir gestern so viel Trinkwasser mitgetragen haben. Wir verlassen die Sonnschienalm.





Ein langer Tag geht mit Landregen zu Ende
Es folgt die Hörndl Alm und die Kulmalm. Die Wege sind durchwegs schön zu gehen. Wir sind schon in deutlich niedrigeren Lagen und das Gefühl der extremen Ausgesetztheit hat schon deutlich nachgelassen. Regen wollen wir aber trotzdem nicht so schnell, er kommt aber dennoch immer wieder mal kurz vorbei. Der Weg bis zum Neuwaldegg-Sattel zieht sich so richtig. Eine Jausenpause gibt noch einmal genügend Energie für die letzten Höhenmeter hinauf zum Hirschegg-Sattel (1.699 m). Über einen Fahrweg steigen wir zur Leobner Hütte (1.582 m) ab, die in früheren Zeiten eine Knappenwohnstatt war. Wir sitzen drinnen bei Kaffee und Kuchen, während die Hüttenwirtin nach draußen schaut, die dunklen, heranziehenden Wolken begutachtet und einen Dauerregenbeginn innerhalb von 30 Minuten prognostiziert. Nach kurzer Zeit stehen wir wieder draußen, werfen die Regenponchos über und hanteln uns an den Seilversicherungen am Polsterkar entlang. Gleich darauf setzt auch schon der Regen ein und er ist diesmal gekommen um zu bleiben – es regnet sich ein. Doch auf uns wartet nur mehr der Abstieg zur Präbichl-Passhöhe (1.226 m) und diese ist nach einer Stunde erreicht. Triefend treffen wir beim Gasthof Präbichlerhof ein – froh und dankbar, dass wir heute nicht mehr weiter müssen und der Hochschwab – so schön er auch bei stabilem Hochdruckwetter sein mag – für uns abgehakt ist.




Tag 5: von Präbichl nach Trofaiach
Die zurückgebliebene Kirche von Vordernberg
Ein bissal schöneres Wetter hätten wir uns für das steirische Gebirge am Nord-Süd-Weg schon gewunschen. Der nächste Morgen (Dienstag, 18.8.26) startet leider wieder genauso, wie der Vortag geendet hat: es regnet. Die Wolken hängen tief. Die Prognose lautet: leichte Besserung ab Mittag. Es ist nicht daran zu denken, bei dieser Nässe über steile Grashänge auf den Eisenerzer Reichenstein zu wandern. Auch die Reichenstein-Hütte ist wegen Neubau derzeit geschlossen. Also marschieren wir östlich an den Eisenerzer Alpen vorbei durch das Vordernbergertal. Die Monotonie des Forstweges wird nur durch ein paar galoppierende Kühe unterbrochen. Sind die verrückt geworden? Gleich denkt man an “Rinderwahn”. Oder haben sie zu viele Rauschbeeren konsumiert? Eine besonders hartnäckige Fleckvieh-Genossin prescht an uns vorbei, kreuzt rennend 2 bis 3 Mal unseren Weg und beschließt dann doch lieber den Hang hinaufzusprinten als die humanen Regenponcho-Figuren zu attakieren. Danke! Bei St. Laurenti schauen wir uns die gleichnamige Wehrkirche aus dem 14. Jahrhundert von außen an – beeindruckende Steinwände schützen das Gebäude. Die Laurenti-Kirche war einmal die Pfarrkirche von Vordernberg, aber die Hochöfen wurden weiter talauswärts verlegt, während das Gotteshaus noch heute an der ursprünglichen Stelle steht. Wir steigen zum Barbarakreuz auf, der Regen hat zwischenzeitlich aufgehört und bei der Hirnalm schaut sogar die Sonne vorbei.





Eine Bücherei als Oase für Weitwandernde
Nun geht es dem Krumpenbach entlang talauswärts bis Hafning. Von dort umrunden wir in großem Bogen Trofaiach – natürlich hat es in der Zwischenzeit wieder zu regnen begonnen. Von wegen Wetterbesserung ab Mittag! Bei der Haltestelle “Alpenvereinsheim” nehmen wir genervt den Bus nach Leoben, steigen aber im Zentrum von Trofaiach wieder aus, denn wir brauchen noch einen Stempel. Doch woher nehmen? Beim Gößbach Stüberl sind wir vorbeigewandert – es weilt im Urlaub, die Konditorei Schrittwieser hat montags und dienstags ihre Ruhetage, im Gasthof Goldener Ochse ist alles finster, das Café Gande ist dienstags geschlossen, der Stadtheurige detto. Etwas ratlos wandern wir durch den Ort. Das Rathaus ist heute vielleicht noch besetzt? Gleich daneben ist die Türe zur Stadtbücherei einladend geöffnet. Ein Wühltisch unter Dach hält 1-Euro-Schnäppchen bereit und ein Regenschirm wartet geduldig auf seine Besitzerin. Eine Bücherei hat eigentlich schon auch einen Stempel, oder? Aber natürlich gibt es einen Stempel für uns! Und nicht nur den: wir dürfen es uns gemütlich machen, es gibt Kaffee und viele, viele Bücher zum Schmökern. Die Mitarbeiterinnen sind sichtlich zufrieden damit, dass die Bücherei auch eine Oase für Weitwandernde sein kann. So gestärkt nehmen wir nun endgültig den Bus nach Leoben, wo wir heute Nacht schlafen werden. Weder in Trofaiach noch in St. Peter-Freienstein war ein Quartier für uns aufzutreiben – alles mit Industriearbeitern der voest belegt.





Die gebirgigen Erhebungen auf dem Nord-Süd-Weitwanderweg sind entweder geschafft oder umgangen. Nun warten die steirischen Almen auf uns – aber das ist eine andere Geschichte.