Malta, 2015

Malta!

Malta… welch wunderbare Erinnerungen! Selbst ein halbes Jahr nach unserer Reise huscht mir noch ein Lächeln übers Gesicht wenn ich an unsere Woche auf den Mittelmeerinseln Malta und Gozo zurückdenke. Wie für diese Jahreszeit üblich zeigte sich uns Malta leicht bedeckt, etwas regnerisch, mit milden Temperaturen aber einer stürmischen See. Unser erstes Abenteuer war die Fähr-Fahrt von Malta nach Gozo. Der starke Wellengang schaukelte uns ordentlich durch, und am Oberdeck wurden wir einer unfreiwilligen salzigen Dusche unterzogen. Frisch geduscht begaben wir uns dann bei Einbruch der Dunkelheit auf Herbergssuche in Marsalforn, wo wir im Santa Martha Hostel unterkamen. Trotz unseres professionellen Kartenmaterials (siehe Foto) dauerte die Suche nach dem Hostel überraschend lange. 😉 Schnell wurde uns auch klar, dass Malta ein sehr katholisches Land ist: Häuser sind nach Heiligen benannt und werden von Statuen geziert, über Marsalforn thront eine Christus-Statue, und die Osterfeierlichkeiten werden von den Maltesern ausführlich mit Prozessionen zelebriert.

Am nächsten Tag erwartete uns das typisch wechselhafte Wetter, das uns den Großteil unserer Reise begleiten würde: leichter Regen, etwas Sonnenschein und Wind wechselten sich ab. Das Meer war noch immer stürmisch und mit dem maltesischen Nationalgetränk Kinnie im Gepäck wanderten wir der Küste entlang Richtung Westen, vorbei an den steinernen Salzpfannen, die zum Teil noch immer zur Salzgewinnung verwendet werden, Richtung Wied il-Ghasri, einer Meerschlucht die wir durch den wilden Seegang besonders eindrucksvoll erlebt haben. Treppen führen zum Boden der Schlucht, wo man bei ruhigerem Wellengang bestimmt gut schwimmen kann. Bei unserem Besuch war es dafür definitiv zu kalt und zu gefährlich, denn die Wellen prallten mit enormer Wucht auf die Felswände. Unsere Wanderung führte uns schließlich weiter in das grünere Landesinnere, vorbei an Kakteen, nach Gharb, wo uns Regen und Kälte in das Folkloremuseum trieben. Unsere Hoffnung auf beheizte Räumlichkeiten um unsere Gliedmaßen zu erwärmen wurde leider enttäuscht, dafür erwarteten uns auf zwei Stockwerken im einem traditionellen maltesischen Haus viele Informationen über das Land, seine Leute und seine Vergangenheit. Am Rückweg schnappten wir uns in Victoria, der Hauptstadt von Gozo, das maltesische Nationalgebäck aus einer kleinen Bäckerei: sündhaft fettige aber leckere Pastizzi. 🙂 (Versuche Pastizzi auf österreichischem Boden herzustellen sind leider kläglich gescheitert: ein Grund mehr wieder einmal nach Malta zu fliegen.)

Am nächsten Tag reisten wir mit der Fähre zurück auf die Hauptinsel, wo wir  unsere neue Unterkunft, das Palazzo Sant Ursula, im Herzen von Valletta bezogen. Das Hostel ist ein wunderschönes Haus, dessen Wände von zahlreichen Gemälden geziert werden, mit einer Dachterasse von der man auf den Zehenspitzen bis zum Hafen sieht. Buchungstipp: nehmt das Doppelzimmer im obersten Stockwerk, es ist genial! (Leider mussten wir nach zwei Minuten wegen eines Irrtums in ein kleineres Zimmer ziehen, aber die zwei Minuten haben gereicht um sich in das außerordentlich helle und nett eingerichtete Zimmer zu verlieben! 😉 ).

Fun Fact: Malta ist eines der wasserärmsten Länder der Welt. Es gibt keine Flüsse auf der Insel, und um den Trinkwasserbedarf der Bewohner und Touristen zu decken helfen Schiffe mit Wasserlieferungen aus Sizilien aus.

Mit dem Plan des Zurrieq Walk ausgestattet machten wir uns auf den Weg zu den Dingli Cliffs, um von dort zur bekannten Blauen Grotte zu wandern. Die von der Malta Tourism Authority bereitgestellten Karten und Wegbeschreibungen brachten uns schließlich aber an den Rande der Verzweiflung und wir entschlossen uns unseren eigenen Weg den Klippen entlang zur Blauen Grotte zu finden. (Dabei muss gesagt werden, dass die Offline-Karten von Open Street Map am Smartphone ein Lebensretter waren! Selbst Trampelpfade sind dort eingezeichnet, und besonders im unübersichtlichen Gelände spart man sich so Umwege.) In der dunstigen Luft ragten die Dingli Cliffs bis zu 250 Meter hoch aus dem Meer. In diesem Gebiet befindet sich auch der höchste Punkt Maltas, den ich mit seinen 253 Metern gar nicht als höchste Erhebung bezeichnen möchte. 😉 Wir machten einen kurzen Abstecher in das Landesinnere, zu den Cart Ruts (“Schleifspuren”). Die Theorie ist zwar umstritten, aber man vermutet, dass sich an einer Stelle, Clapham Junction, mehrere Römerstraßen kreuzten. Zurück an der Küste wanderten wir einige Stunden staunend über und unter den Klippen, durch Felder und über Straßen, über Ghar Lapsi bis zur Blauen Grotte. Nach diesem aufregenden und anstrengenden Tag belohnten wir uns am Abend mit maltesischem Wein und einem ausgesprochen schmackhaften Kaninchen (ich hoff unsere Kaninchen zuhause nehmen mir das nicht übel…).

Den Sonnenbrand unseres Lebens holten wir uns an unserem vorletzten Tag, bei unserer Rundwanderung von Mellieha zum Ahrax Point (das Gebiet befindet sich am nordwestlichen Zipfel der Insel). Als (nicht skifahrender) Österreicher ist man es einfach nicht gewohnt, dass bei frischen Temperaturen Anfang April Sonnenbrände durchaus im Bereich des möglichen sind. Wir wanderten von Mellieha zum Red Tower, der aufgrund seiner Farbe die Blicke auf sich zieht und ein kleines Museum beherbergt. Von oben bot sich ein toller Ausblick auf die Inseln Comino und Gozo sowie unsere geplante Route für den Tag. Wir gingen entlang der Küste an steilen Klippen und Stränden vorbei Richtung Norden. Es war ein Feiertag, und viele Menschen campten und grillten im Gebüsch an der Küste (denn auf Malta gibt es keine Wälder!). Unsere Mittagspause verbrachten wir am Armier Bay, wo zahlreiche im Frühling noch leerstehende Häuschen einmal mehr darauf hinwiesen, dass Malta außerhalb der Sommermonate eine doch eher verschlafene Insel ist. Vollständig eingehüllt, um der Sonne nicht die keineste Angriffsfläche zu bieten, machten wir uns auf den Rückweg nach Valletta.

Unseren letzten Tag verbrachten wir in Valletta, wo wir die Straßen der kompakten Stadt erkundeten. Einige Gassen konnten nur über Stiegen beschritten werden, die nur halb so hoch sind wie normale Stiegen, was daher rührt, dass die Ritter in ihren schweren Rüstungen früher nicht im Stande waren größere Stufenhöhen zu bezwingen.

Als Fazit kann man durchaus behaupten, dass Malta mindestens eine Reise wert ist. Wir waren Ende März/Anfang April in Malta, und da war es noch zu kalt und regnerisch um Baden zu gehen (einen Monat später wäre das bestimmt schon möglich), dafür entgingen wir großen Touristenmassen und durch das stürmische Meer war die wunderschöne Küstenlandschaft umso atemberaubender. Malta ist insgesamt eine relativ kleine Insel, so dass man in einer Woche ohne viel Stress einen Großteil der Inseln erkunden kann. Das Land ist durch die Fähren und den öffentlichen Busverkehr gut erschlossen, und durch die geringen Distanzen ist man ohnehin nie weit von der nächsten Ortschaft entfernt. Malta, wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

Markus

A photography enthusiast since he can remember, Markus loves travelling and taking photos with his Lomo Fisheye camera. When he hasn't got his finger on the trigger of a camera he is a software developer.

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