Weegee – Retrospektive 1932-1960
Die Galerie Westlicht in Wien zeigt noch bis 12. Februar 2012 eine Retrospektive zu den Arbeiten des amerikanischen Fotografen Arthur Fellig, Künstlername Weegee. Dieser wurde 1899 in der heutigen Ukraine geboren und wanderte mit seiner Familie 1910 in die USA aus, wo sie sich in der New Yorker East Side ansiedelte. Schon früh unter Geldnot leidend, nahm er jegliche Gelegenheitsjobs an. So fand er eine Stelle als Fotolaborant bei ACME Newspictures, wo er schon bald auch als Aushilfsreporter vor allem nachts aktiv wurde. Ab 1935 versuchte er als selbstständiger Fotograf sein Glück. Er war mit seiner Kamera stets dort, wo etwas passierte. Was spielte sich im nächtlichen New York der 30er und 40er Jahre ab? Weegee wusste die Antwort. Mit seiner Reportagefotografie wurde er ein zuverlässiger Dokumentator der urbanen Arbeiterklasse. Seine Aufnahmen zeigen Tatschauplätze, Verkehrsunfälle, Brände, Gewalt, Stripperinnen, am Gehsteig liegende Betrunkene, umschlungene Paare in Kinosälen, schlafende Obdachlose auf den Straßen New Yorks, schlafende Menschen auf Feuerleitern während eine Hitzewelle die Stadt heimsuchte. Seine Spezialität waren auch in die Kamera starrende, vom grellen Blitzlicht ausgeleuchtete Gesichter von Menschen, die an Tatorten den ersten Ermordeten ihres Lebens sahen. Viele dieser Bilder gelangen ihm, weil er stets der Erste am Schauplatz war – oft noch vor den Einsatzkräften. Ermöglicht wurde dies durch heimliche Lauschangriffe auf den Polizeifunk des Manhattan Police Head Quarters, beziehungsweise ab 1938 auch ganz offiziell: er wurde als erster Fotojournalist mit einem Polizeifunk ausgestattet. Sein Auto, ein Chevrolet, war umfunktioniert worden zum voll ausgestatteten Fotolabor, er hatte nicht nur eine mobile Dunkelkammer immer dabei, sondern auch eine Schreibmaschine um die Bildtitel noch vor Ort zu verfassen.
Nur wenige Bilder zeigen die New Yorker Upper Class, die Reichen und Schönen der Stadt, so eine Serie von der New Yorker Metropolitan Opera. Spannende Bilder entstanden mit der sogenannten Weegeescope Linse, mit deren Hilfe er kuriose Verzerrungen in Porträts herbeiführte, was den Abgebildeten karikaturhafte Merkmale verlieh. Auch Marilyn Monroe im weißen, wehenden Kleid über dem bekannten Kanalgitter bekommt so eine interessante Belebung.
Ab den späten 40er Jahren unterzeichnete Weegee Verträge bei bekannten Magazinen, sagte der Reportagefotografie Lebewohl und beschäftigte sich fortan mit Werbefotografie bis er 1968 verstarb.
Ausstellungskalender September 2009
Danke an Mariakel für eine Übersicht an laufenden und kommenden Ausstellungen die diesen September zu sehen sind!
Annette Kelm
10.07.2009 – 13.09.2009
Camera Austria, Kunsthaus Graz
>> www.camera-austria.at
Second Cities Photo Project
01.09.2009 – 01.10.2009
Rathaus – Fotogalerie, Graz
>> kultur.graz.at
>> 2ndcities.net
Ansichten – Thomas Hoepker 1955-2008,
11.09.2009 – 25.10.2009
Westlicht – Schauplatz für Fotografie, Wien
>> westlicht.com
Body and Language – Zeitgenössische Fotografie aus der Albertina
18.06.2009 – 27.09.2009
Albertina, Wien
>> albertina.at
“Noch mal leben” – Ausstellungsbericht

(c) Walter Schels
Westlicht – Schauplatz für Fotografie in Wien zeigte heuer vom 09.06. bis 31.07. eine beachtenswerte Ausstellung über das Sterben. Die Begegnung mit dem Tod geht uns wie kein anderes Erlebnis tief unter die Haut und dennoch leben wir in einer Zeit, in der das Sterben durch unsere schnelle, hektische, vom Konsum getriebene Lebensweise aus unserem alltäglichen Umfeld verdrängt wird. Der Umstand, dass jedes Leben mit dem Tod endet, wird aus unserem Bewusstsein getilgt – bis zu dem Zeitpunkt, wo wir uns mit der unmittelbaren Tatsache unseres begrenzten Daseins konfrontiert sehen.
Der Fotograf Walter Schels und die Journalistin Beate Lakotta porträtierten 26 unheilbar Kranke in den letzten Tagen und Wochen ihres Lebens. Diese Begegnungen fanden zumeist in Hospizen – Lebensorte für Sterbende, statt. Die dabei entstandenen schwarz-weißen Großformate zeigen die Menschen kurze Zeit vor und unmittelbar nach ihrem Tod. Es entstanden sensible Porträts von Menschen, die ihrem Tod sehr nahe sind, von ihren Hoffnungen, Erfahrungen und Ängsten.
Eine Ausstellung, die nachdenklich macht.
>> Westlicht
>> Offizielle Homepage der Ausstellung
Mariakel
Megan Lewis – Conversations with the Mob
Als erste Galerie außerhalb Australiens zeigte das Wiener Westlicht – Schauplatz für Fotografie – vom 31.03.09 bis 31.05.09 diese preisgekrönte Fotoreportage (2005 Walkley Award, 2006 Photographers Choice Award). Die gebürtige Neuseeländerin Megan Lewis verbrachte auf Einladung der Martu 5 Jahre bei diesem Aboriginalstamm in der Great Sandy Desert im Westen Australiens.

"Conversations with the Mob" - (c) Megan Lewis 2008
Das fotografische Ergebnis des im Juli 2002 beginnenden Aufenthaltes in der Wüstengegend ist eine Dokumentation des Alltags und der Probleme der Martu. Früher als Nomaden durch den Westen Australiens ziehend, wurde der Stamm der Martu (bedeutet „einer von uns“ oder „Mensch“) in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts von der Regierung dazu gezwungen, in Siedlungen zu leben. Erst 2002 wurden ihnen ihre ursprünglichen Ländereien wieder zuerkannt. Es leben heute 850 Stammesangehörige in 4 Gemeinschaften (Jigalong, Punmu, Parnngurr, Kunawarrintji) auf einem Gebiet von 136.000 km². Lewis lebte in Parnngurr, besuchte jedoch auch alle anderen Gemeinschaften. Lewis war mit ihrer Kamera dabei, wenn Frauen nach Larven oder Leguanen suchend tiefe Löcher in den Boden gruben oder Männer und Burschen mit einem verrosteten Pick-up von der Känguru-Jagd zurückkehrten. Sie sah das unermessliche Leid, das durch Alkoholmissbrauch gekoppelt mit Perspektivenlosigkeit entstehen kann. Ein 20-jähriger, dem Alkohol verfallen, wurde von den Stammesangehörigen zu Grabe getragen, während die engsten Familienangehörigen im „sorry camp“ der Gemeinschaft ausharrten.
Die Fotojournalistin Lewis dokumentiert in einzigartiger Weise die Zerrissenheit zwischen Tradition mit ihren spirituellen Heilern und der von den Weißen versprochenen Coca-Cola-Idylle. Sie zeigt uns die jämmerlichen Behausungen und den sozialen Verfall der Menschen, sie zeigt uns aber auch das Lachen, die Freude beim Football-Spiel, die Liebe und Fürsorglichkeit für die Kleinsten und den Zusammenhalt der Generationen. Man verlässt die Ausstellung, ist schockiert über die dortigen Zustände und überrascht, dass man so vieles über Australiens Ureinwohner nicht wusste – Fotos voller lebender Tatsachen. Wie immer, war die Ausstellung einen Besuch wert.
Mariakel
>> www.westlicht.at
>> www.meganlewis.com.au

"Conversations with the Mob" - (c) Megan Lewis 2008
