Tina Modotti – Fotografin und Revolutionärin

Fotoausstellung, vom 1. Juli bis 7. November 2010 im Kunsthaus Wien

Das Kunsthaus Wien zeigt aktuell eine umfassende Retrospektive einer bemerkenswerten, leider zu wenig beachteten, starken Frau des beginnenden 20. Jahrhunderts: Tina Modotti. 1896 in Udine, Italien, geboren, führt sie ihr Lebensweg nach Kalifornien, Mexiko, Berlin, Moskau, Paris, Spanien und wieder zurück nach Mexiko, wo sie 1942 stirbt. Ihre Karriere beginnt sie zunächst als Stummfilmdarstellerin. 1921 lernt sie den Fotografen Edward Weston kennen und lieben, mit ihm geht sie nach Mexiko, wo sie das Fotografieren von ihm lernt. Ihr Anfangswerk ist zunächst gekennzeichnet durch einfache Arbeiten zum Thema Strukturen und Schatten. In weiterer Folge entstehen Pflanzenstudien, Frauenportaits und eine Serie über den Puppenspieler Louis Bunin. Tina Modotti engagiert sich politisch, was sich auch auf ihre Bilder auswirkt. Der Arbeiter und die Last, die er trägt, kommen in ihren Arbeiten genauso vor, wie Versammlungen der kommunistischen Arbeiterbewegung, der kubanische Revolutionär und ihr Geliebter Mella und Stillleben zum revolutionären Themenkreis. Sie schreibt auch für diverse kommunistische Medien.

1929 fährt Modotti nach Tehuantepec um die dort ansässigen, traditionellen Frauen zu fotografieren. Diese Fotos gehören zu ihren bekanntesten Arbeiten, zeigen sie doch Frauen, die bunt bemalte, ausgehöhlte Kürbisse auf ihren Köpfen tragen, ihre Körper verhüllt von den bunten, langen Kleidern, die für ihr Volk so typisch sind.

Gleich zwei Räume der Ausstellung sind den Freskenmalern rund um Diego Rivera gewidmet. Modotti schafft mit ihrer Fotografie eine umfangreiche Dokumentation der Wandgemälde des Malers und Freundes Rivera und trägt so dazu bei, dass die Malerei Riveras bekannt wird.

In der Ausstellung finden sich auch Fotos die Modotti selbst zeigen, sie wurden von Fotografen in ihrem Umfeld angefertigt, darunter auch ein paar Aktfotografien von Edward Weston. Die Schau gibt auch Aufschluss über die Menschen um Tina Modotti, so zählen unter anderem die Malerin Frida Kahlo und der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda zu ihren Freunden.

Die Retrospektive schließt mit ihren letzten Bildern zu Anfang der 30er Jahre. Bei ihrem Aufenthalt in Moskau beschließt Modotti mit der Fotografie aufzuhören. Angeblich wirft sie ihre Kamera in die Moskwa.

Eine durchaus gelungene Überblicksausstellung,die versucht, alle Aspekte im Leben von Tina Modotti zu berücksichtigen. Noch bis 7. November 2010 im Kunsthaus in Wien zu sehen!

>> http://www.kunsthauswien.com/ausstellungen/tina-modotti

„The Japanese Eye“ – Junichiro Hiramatsu

Lasse ich die besuchten Ausstellungen des Jahres 2009 Revue passieren, bemerke ich, dass ich noch nicht alle beschreibenswerten

Ausstellungen in einem Ausstellungsbericht zusammengefasst habe. Dies gilt auch für die Schau „The Japanese Eye“ von Junichiro Hiramatsu vom 11.08.-23.08.2009 im Westlicht – Schauplatz für Fotografie, Wien (Kurator: Thomas Freiler).

Foto: Copyright Junichiro Hiramatsu, Girona, Spanien

Foto: Copyright Junichiro Hiramatsu, Girona, Spanien

Hiramatsu ist ein leidenschaftlicher Reisender durch Europa – über 90 Mal hat er den alten Kontinent bereits besucht, im Alter von 24 Jahren zum ersten Mal – und er ist ein begabter Amateurfotograf. Das Westlicht zeigt 400 seiner Reisefotografien in 20x30cm zu 5-7 Bilder gruppiert, was zunächst auf eine große Bilderflut schließen lässt, doch die Erwartung erfüllt sich nicht. Man ist zwar überwältigt von der Menge an Fotografien, doch Urlaubsstimmung stellt sich unweigerlich ein. Hiramatsu fotografiert ausschließlich mit analogen Kameras, sie ermöglichen eine „materielle Erinnerungsspur“, so Hiramatsu. Zu sehen gibt es vieles: Menschen, Häuser, Landschaften und alltägliche Situationen in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien. Aus großen Städten gleichwohl wie aus kleinen Städten wie Paris, Utrecht, Turin, Canal du Midi, Mola di Bari oder Girona stammen seine Momentaufnahmen. Die Bilder zeigen uns Europa durch die Augen eines Fremden.

Junichiro Hiramatsu, geboren 1949 in Japan, hat sich nach seinem Wirtschaftsstudium eingehend mit bildender Kunst und Fotografie auseinander gesetzt. Kunst und Design faszinieren ihn, daher wohl auch sein Hang zum italienischen Rot: er ist begeisterter Ferrari-Liebhaber. Die Galerie Westlicht zeigt seine Bilder zum ersten Mal auf europäischem Boden. Wer Fotos von Wien vermisst: Hiramatsu hatte Wien zum Zeitpunkt des Ausstellungsbeginns noch nicht auf Film verewigt.
http://www.westlicht.com/index.php?id=173478

Body and Language – Zeitgenössische Fotografie aus der Albertina

John Coplans - Interlocking Fingers No. 6

John Coplans - Interlocking Fingers No. 6

Das prachtvolle, klassizistische Palais Albertina in Wien zeigt vom 18.06. bis 27.09.2009 circa 80 Fotoarbeiten aus seinen umfangreichen Beständen. Zu „Body and Language“ passend werden die Arbeiten verschiedener Fotografen und ihre Umsetzung des Körperthemas in leider nur 3 Räumen gezeigt.

Die Sammlung umfasst einige großformatige schwarz-weiß Porträts von bekannten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts von Gottfried Helnwein, aus seinem 1992 erschienenen Buch „Faces“. Helmut Newton ist mit mehreren Aktfotografien vertreten und auch John Coplans zeigt uns Teile des nackten menschlichen Körper – in Nahaufnahme. Es werden einige Werke von Erwin Wurm gezeigt, deren Interpretation ich allerdings nicht versuchen werde, zu kurios erscheinen mir die Menschen und Gegenstände, die von ihm dargestellt werden. Im Großen und Ganzen eine interessante Ausstellung, leider wenig Bilder und der wohl größte Nachteil: um die Fotos zu sehen, muss der Eintritt für ALLE Ausstellungen in der Albertina – sogar inklusiv der Prunkräume – bezahlt werden. :-/

Mariakel

“Noch mal leben” – Ausstellungsbericht

(c) Walter Schels

(c) Walter Schels

Westlicht – Schauplatz für Fotografie in Wien zeigte heuer vom 09.06. bis 31.07. eine beachtenswerte Ausstellung über das Sterben. Die Begegnung mit dem Tod geht uns wie kein anderes Erlebnis tief unter die Haut und dennoch leben wir in einer Zeit, in der das Sterben durch unsere schnelle, hektische, vom Konsum getriebene Lebensweise aus unserem alltäglichen Umfeld verdrängt wird. Der Umstand, dass jedes Leben mit dem Tod endet, wird aus unserem Bewusstsein getilgt – bis zu dem Zeitpunkt, wo wir uns mit der unmittelbaren Tatsache unseres begrenzten Daseins konfrontiert sehen.
Der Fotograf Walter Schels und die Journalistin Beate Lakotta porträtierten 26 unheilbar Kranke in den letzten Tagen und Wochen ihres Lebens. Diese Begegnungen fanden zumeist in Hospizen – Lebensorte für Sterbende, statt. Die dabei entstandenen schwarz-weißen Großformate zeigen die Menschen kurze Zeit vor und unmittelbar nach ihrem Tod. Es entstanden sensible Porträts von Menschen, die ihrem Tod sehr nahe sind, von ihren Hoffnungen, Erfahrungen und Ängsten.
Eine Ausstellung, die nachdenklich macht.

>> Westlicht
>> Offizielle Homepage der Ausstellung

Mariakel